„Mit jedem Kind beginnt die Zukunft“
Bmt und „Tierschutz im Unterricht in Berlin-Brandenburg“ gehen Kooperation ein
Seit November arbeitet der bmt in Berlin mit der Initiative „Tierschutz im Unterricht Berlin-Brandenburg“ zusammen. Der Senat begrüßt und unterstützt die Kooperation der beiden Organisationen. Sebastian Zösch über Entstehung, Arbeit und Ziele von „Tierschutz im Unterricht“ und seine Hoffnungen, die er mit dem bmt-Zusammenschluss verbindet. RdT: Wie kam es zur Tierschutzlehrer-Initiative in Berlin?
Sebastian Zösch: Das Projekt „Tierschutz im Unterricht“ wurde bereits in den 70er Jahren in Österreich von Charlotte Probst gegründet, die schon damals erkannt hatte, welche Bedeutung der Tierschutzarbeit mit Kindern beizumessen ist. In Graz wird heute einmal im Jahr die jeweils zehntägige Schulung zum Tierschutzlehrer an der „Akademie für Mensch-Tier-Beziehungen“ angeboten, damit das Anliegen über die Tierschutzpädagogen in möglichst viele Klassenzimmer gelangen kann.
Eine Gruppe von deutschen TierschutzlehrerInnen hat vor einigen Jahren nun den bundesweiten „Arbeitskreis deutscher TierschutzlehrerInnen“ ins Leben gerufen, aus dem sich wiederum die eigenständige, lokale Gruppe „Tierschutz im Unterricht Berlin-Brandenburg“ gebildet hat. Die Aufgaben sind bei allen Gruppen identisch: Unser Ziel ist es, Kinder und Jugendliche zu einem bewussteren und besseren Umgang mit ihrer Umwelt und insbesondere den Tieren zu motivieren.
RdT: Welches Profil erwarten Sie von Tierschutzlehrern, die sich Ihrer Organisation anschließen?
Sebastian Zösch: Idealerweise sollten angehende TierschutzlehrerInnen eine pädagogische Ausbildung sowie die Ausbildung zum Tierschutzlehrer in Graz absolviert haben. Darüber hinaus sollten sie Tierschutz natürlich auch praktisch in ihrem eigenen Leben umsetzen. Alle unsere TierschutzlehrerInnen leben vegetarisch und arbeiten vollkommen ehrenamtlich.
RdT: Welche Schulen besuchen Sie? Wie bauen Sie Ihren Unterricht auf? Wie reagieren die Schüler – und auf welche Themen am interessiertesten?
Sebastian Zösch: Wir richten unser Angebot grundsätzlich an alle Bildungseinrichtungen in Berlin und Brandenburg. Gemeinsam mit dem Berliner Senat haben wir erst im November über 800 Grund- und Oberschulen angeschrieben und unser Projekt vorgestellt. Interessierte Einrichtungen können uns telefonisch oder per E-Mail zu einem selbstgewählten Termin zu sich einladen und dabei auch bestimmte Schwerpunkte vorgeben.
Der Aufbau unseres Unterrichts gliedert sich immer in drei Teile. Wir beginnen mit einem ethischen Einstieg, dann folgt ein Sach- bzw. Informationsteil. Zum Abschluss bieten wir im Lösungsteil konkrete Handlungsmöglichkeiten, den Tieren zu helfen.
Die Schüler freuen sich in der Regel sehr auf die Tierschutzstunde und arbeiten oft überraschend gut mit. Tiere faszinieren eben die meisten Kinder und Jugendlichen von sich aus. Die Schüler denken aber auch weiter. Eine Frage, die fast immer gestellt wird, ist: „Essen Sie Fleisch?“. Da ist es dann gut, dass alle unserer TierschutzlehrerInnen diese Frage guten Gewissens verneinen können. Es ist erstaunlich, mit welchem Gespür Kinder erkennen, für wie glaubwürdig sie einen Erwachsenen halten können.
RdT: Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Senat?
Sebastian Zösch: Frau Charlotte Probst und ich haben im Oktober 2008 der Senatsverwaltung das erfolgreiche Projekt in Österreich sowie unsere Pläne für Berlin und Brandenburg vorgestellt. Das Konzept war so überzeugend, dass man sofort vorgeschlagen hat, den Tierschutzunterricht auch in Berlin von offizieller Seite zu empfehlen und zu unterstützen.
Wie viele Schulen besuchen Sie im Schnitt pro Monat? (Wie) unterscheidet sich der Unterricht in sozialschwachen Gebieten von sozial stärkeren wie z.B. in Berlin-Wannsee oder Lichterfelde West?
Sebastian Zösch: Bereits im ersten Jahr haben wir pro Monat rund zehn Schulen besucht, teilweise sogar im Rahmen mehrtägiger Projekttage. Je länger das Projekt läuft, desto mehr etabliert es sich und desto mehr Anfragen von Seiten der Lehrkräfte bekommen wir. Auch die Anzahl unserer TierschutzlehrerInnen wollen wir noch weiter ausbauen, um der steigenden Nachfrage in Zukunft gerecht werden zu können.
Der Unterricht unterscheidet sich abhängig von Schulform, Jahrgangsstufe, Unterrichtsfach und Thema sehr stark. Auch die soziale Lage der Schule spielt dabei natürlich eine Rolle. In sozial schwachen Gebieten kann es beispielsweise schon vorkommen, dass einige Schüler sich zu Beginn der Tierschutzstunde damit brüsten, wie viele Tiere sie selbst schon gequält und gegessen haben.
Ein guter Tierschutzlehrer ist aber auf sowas vorbereitet und weiß, wie man solche Situationen richtig nutzt. Oft ist es dann so, dass gerade in solchen Klassen die Schüler nach 90 Minuten Tierschutzunterricht stark beeindruckt und mit einem neuen Blick auf ihre Mitwelt nach Hause gehen.
RdT: Welche Ausbildung haben Sie?
Sebastian Zösch: Während meines Zivildienstes habe ich eine Ausbildung zum
Rettungssanitäter gemacht und war auch in der Ausbildung von Notärzten aktiv. Nach meinem Bachelor in „Cognitive Science“ habe ich ein einjähriges Trainee-Programm bei der Tierrechtsorganisation PETA in Deutschland und den USA absolviert. Anschließend habe ich den Master in „Management in Nonprofit-Organisationen“ erworben und arbeite nun als Geschäftsführer des Vegetarierbundes (VEBU).
RdT: Wie kamen Sie zum Tierschutz bzw. zum Tierschutzlehrer-Projekt?
Sebastian Zösch: Die Ausbildung zum Tierschutzlehrer habe ich während meiner Zeit bei PETA abgeschlossen. Schon damals habe ich mir vorgenommen, mitzuhelfen, das in Österreich so erfolgreiche Projekt auch in Deutschland zu etablieren.
Zum Vegetarierbund kam ich während meines Masterstudiums. Der überwältigende Großteil der für Menschen getöteten Tiere sind sogenannte Nutztiere wie Schweine, Kühe, Hühner und Fische. Der effektivste Tierschutz besteht deshalb darin, eine pflanzenbetonte Ernährung in unserer Gesellschaft stärker zu fördern.
RdT: Was bedeutet Ihnen diese ehrenamtliche Arbeit persönlich?
Sebastian Zösch: „Tierschutz im Unterricht“ liegt mir persönlich sehr am Herzen. Tiere müssen in unserer Gesellschaft so viele unnötige Qualen erleiden. Was könnte da besser sein, als dafür zu sorgen, dass die kommenden Generationen menschlicher mit Tieren umgehen? Wie sagte Maria Montessori schon: „Mit jedem Kind beginnt die Zukunft“.
RdT: Was erwarten Sie von der Zusammenarbeit mit dem bmt?
Sebastian Zösch: Dass der bmt das Projekt „Tierschutz im Unterricht“ fördert und unterstützt, freut uns natürlich sehr. Ich denke, dass die beiden Organisationen sich in Ihren Kompetenzen sehr gut ergänzen. In einigen Jahren werden die Lehrpläne in Berlin überarbeitet. Es wäre schön, wenn es uns dann gemeinsam gelänge, dass Thema Tierschutz auch gleich dort noch stärker zu verankern.